Cocktails

Cocktail-Science: Dry-Shake, Wet-Shake und die Reihenfolge. Der Silver Gin Fizz

IMG_6849

Ich bin neulich im Bildungstrinken Podcast (ist auch ein grandioser Name, oder?) über eine sehr interessante Frage bzw. Aussage gestolpert: Und zwar behauptet der Herr Meyer, dass es Quatsch ist erst einen Dry-Shake und dann einen Wet-Shake zu machen. Der Mann, seines Zeichens Inhaber des Le Lion in Hamburg, hat in der Regel schon Ahnung wovon er spricht. Und er begründet seine Aussage auch noch gut. Spätestens da war mein Interesse geweckt und ich hab es selber mal ausprobiert.

Wer sich jetzt fragt: „Bitte was? Wovon redet der überhaupt? Dry-Shake? Wet-Shake?“, der klickt da unten gleich auf „weiterlesen“, bekommt a) die Antwort b) das Rezept für den Silver Gin Fizz


Kurze Theorie: Einen Dry-Shake macht man, um die Zutaten eines Cocktails zu emulgieren und eine Schaumkrone herzustellen. Der Shake wird dabei ohne Eis gemacht (daher das „dry“), im Gegensatz zum Shake mit Eis („wet“).
Typischerweise handelt es sich dabei um Cocktails mit Eiweiß – ich kenne zumindest kein Rezept wo ein Dry-Shake ohne Eiweiß gefordert wird.
Nahezu alle Rezepte lauten sinngemäß: „erst trocken ohne Eis shaken, dann auf Eis kalt shaken und ins Gästeglas strainen“.
So weit, so sinnvoll?
Nein, laut Meyer nämlich nicht. Das strainen mit dem Hawthorne Strainer

ist Gift für eine gelungene Schaumkrone – die Spirale zerstört die Struktur. Soweit ist die Barkeeper Welt sich ziemlich einig.
Da macht es natürlich nur bedingt Sinn, erst ohne Eis zu shaken und dann mit. Um dann das Getränk nämlich ins Glas zu bekommen, brauche ich den Strainer zwangsweise.

Soweit d’accord, oder?

Herr Meyer behauptet also: Erst auf Eis shaken und danach erst dry. Jetzt mag als Gegenargument kommen: Uuuhhhh, dann wird der Drink aber warm! Und Eissplitter hab ich dann auch drin.

Ich kann beide Seiten und deren Argumente nachvollziehen, also bleibt nur eins: Feldversuch! Selber den Shaker schwingen und gucken was passiert.

Ich hab also 2 identische Silver Gin Fizz gemacht (Rezept unten) und geguckt was letztlich dabei herauskommt.

Versuchsaufbau: Gleiche Mengen an Zutaten, den einen Cocktail erst 10 Sekunden dry shake, dann Eiswürfel hinzugeben, 10 Sekunden wet shake, strain (Hawthorne) ins Glas.
Cocktail #2 erst 10 Sekunden wet-shake (gleiche Menge Eiswürfel), strain mit dem Julep Strainer, 10 Sekunden dry-shake und direkt ins Glas. Ihr seht unten auf dem Foto: Unterschied deutlich zu erkennen!

IMG_6840

Tatsächlich ergibt die „wet first, dry later“ Methode die „bessere“ Schaumkrone (im Sinne von „mehr“)! Auf dem Bild das Glas rechts.
Eissplitter habe ich keine bemerkt. Wenn überhaupt vorhanden, lösen sie sich beim dry-shake vollständig auf. Zur Temperatur kann ich sagen, dass ich rein subjektiv keinen Unterschied habe feststellen können. Nachgemessen habe ich allerdings nicht. Da würde ich mir aber auch nicht so viele Gedanken zu machen. Viel mehr Auswirkung hat es da, ob das Glas vorgekühlt ist, oder nicht.
Für mich persönlich ist das Handling des „wet first, dry later“ etwas einfacher, da ich ohne strain direkt das Gästeglas befüllen kann.

Halten wir also fest:

  • erst auf Eis shaken, dann trocken -> gibt mehr Schaumkrone
  • subjektiv kein Temperaturunterschied feststellbar
  • keine Eissplitter vorhanden
  • Handling ist etwas einfacher

Ich geh dann mal meine Rezeptsammlung entsprechend anpassen… 🙂

Jetzt aber endlich zum lang ersehnten Rezept für den Silver Gin Fizz:

  • 6 cl Gin (einen London Dry, z.B. Tanqueray No. 10)
  • 4-5 cl Eiweiß (das entspricht einem Eiweiß eines Klasse M Ei’s)
  • 3 cl Zitronensaft
  • 2 cl Zuckersirup
  • 2-4 cl Soda
  1. Alle Zutaten auf Eis kalt 10 Sekunden shaken.
  2. Vom Shaker Glas in den Shaker Becher strainen, Eis wegschütten und 10 Sekunden dry shaken
  3. Ins Glas geben (straight-up) und mit wenig(!) Soda toppen.

Prost,
euer Fabian

IMG_6847

Standard

6 Gedanken zu “Cocktail-Science: Dry-Shake, Wet-Shake und die Reihenfolge. Der Silver Gin Fizz

  1. Ldgr schreibt:

    Hey, danke für den Feldversuch. Werde es auf jeden Fall auch mal auf diese Weise ausprobieren.
    Kleine Anmerkung zum Rezept. Hast du uns da nicht den Zuckersirup unterschlagen?
    Grüße

  2. Pingback: How to stock a Homebar [3/3]: Liköre & Cocktails | In die Küche. Fertig, los!

  3. Pingback: Party Time | In die Küche. Fertig, los!

  4. Danke nochmal für den Tipp ich bin auch erst durch Hernn Meyer seinen Bildungstrinken Kanal darauf aufmerksam gewurden und habe darüber schon etliche Artikel gelesen, aber so wie oben beschrieben mache ich es jetzt auch immer.

    Ich gebe zum Schluss noch das Wasser was eigentlich ins Glas gehört mit in den leeren Shaker und „spüle“ ihn damit sozusagen aus und gebe es dann ins Glas. So kommt auch wirklich alles ins Glas und die Kohlensäure bleibt mehr oder weniger auch erhalten.

    • Hi Christian,
      ja, kann man auch so machen! Ich hab irgendwo auch mal gelesen, dass man den Splash Soda in den Shaker geben soll, und dann erst alles in Glas schüttet. So würde sich das Soda am besten im ganzen Drink verteilen.
      Klingt für mich eigentlich logisch, hab ich aber selber noch nicht probiert.

      Grüße,
      Fabian

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s